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Ferdinand, der nur die Liebenswürdigkeit und die Liebe Ottiliens vor
Augen hatte, sah über das gute Landmädchen hinweg oder wünschte, wenn
Ottilie einst als seine Gattin in diesen Gegenden wohnen würde, ihr
eine solche Haushälterin und Beschließerin beigeben zu können. Er
erwiderte die Freundlichkeit und Gefälligkeit des Mädchens auf eine
sehr ungezwungene Weise, er lernte sie näher kennen und sie schätzen;
er begegnete ihr bald mit mehrerer Achtung, und sowohl sie als ihr
Oheim legten sein Betragen nach ihren Wünschen aus.
Ferdinand hatte sich nunmehr genau umgesehen und von allem
unterrichtet. Er hatte mit Hülfe des Oheims einen Plan gemacht und
nach seiner gewöhnlichen Leichtigkeit nicht verborgen, daß er darauf
rechne, selbst den Plan auszuführen. Zugleich hatte er der Nichte
viele Artigkeiten gesagt und jede Haushaltung glücklich gepriesen, die
einer so sorgfältigen Wirtin überlassen werden könnte. Sie und ihr
Onkel glaubten daher, daß er wirklich Absichten habe, und waren in
allem um desto gefälliger gegen ihn.
Nicht ohne Zufriedenheit hatte Ferdinand bei seinen Untersuchungen
gefunden, daß er nicht allein auf die Zukunft vieles von diesem Platze
zu hoffen habe, sondern daß er auch gleich jetzt einen vorteilhaften
Handel schließen, seinem Vater die entwendete Summe wiedererstatten
und sich also von dieser drückenden Last auf einmal befreien könne.
Er eröffnete seinem Freunde die Absicht seiner Spekulation, der eine
außerordentliche Freude darüber hatte und ihm alle mögliche Beihülfe
leistete; ja er wollte seinem jungen Freunde alles auf Kredit
verschaffen, das dieser jedoch nicht annahm, sondern einen Teil davon
sogleich von dem überschusse des Reisegeldes bezahlte und den andern
in gehöriger Frist abzutragen versprach.
Mit welcher Freude er die Waren packen und laden ließ, war nicht
auszusprechen; mit welcher Zufriedenheit er seinen Rückweg antrat,
läßt sich denken. Denn die höchste Empfindung, die der Mensch haben
kann, ist die, wenn er sich von einem Hauptfehler, ja von einem
Verbrechen durch eigne Kraft erhebt und losmacht. Der gute Mensch,
der ohne auffallende Abweichung vom rechten Pfade vor sich hinwandelt,
gleicht einem ruhigen, lobenswürdigen Bürger, da hingegen jener als
ein Held und überwinder Bewunderung und Preis verdient, und in diesem
Sinne scheint das paradoxe Wort gesagt zu sein, daß die Gottheit
selbst an einem zurückkehrenden Sünder mehr Freude habe als an
neunundneunzig Gerechten.
Aber leider konnte Ferdinand durch seine guten Entschlüsse, durch
seine Besserung und Wiedererstattung die traurigen Folgen der Tat
nicht aufheben, die ihn erwarteten und die sein schon wieder
beruhigtes Gemüt aufs neue schmerzlich kränken sollten. Während
seiner Abwesenheit hatte sich das Gewitter zusammengezogen, das gerade
bei seinem Eintritte in das väterliche Haus losbrechen sollte.
Ferdinands Vater war, wie wir wissen, was seine Privatkasse betraf,
nicht der Ordentlichste, die Handlungssachen hingegen wurden von einem
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