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Nachdenken, wie er jene Sophistereien über Recht und Besitz, über
Ansprüche an fremdes Gut, und wie die Rubriken alle heißen mochten,
bei sich auf eine so kalte und schiefe Weise habe durchführen und
dadurch eine unerlaubte Handlung beschönigen können. Es ward ihm nach
und nach deutlich, daß nur Treue und Glauben die Menschen
schätzenswert mache, daß der Gute eigentlich leben müsse, um alle
Gesetze zu beschämen, indem ein anderer sie entweder umgehen oder zu
seinem Vorteil gebrauchen mag.
Inzwischen, ehe diese wahren und guten Begriffe bei ihm ganz klar
wurden und zu herrschenden Entschlüssen führten, unterlag er doch noch
einigemal der Versuchung, aus der verbotenen Quelle in dringenden
Fällen zu schöpfen. Niemals tat er es aber ohne Widerwillen, und nur
wie von einem bösen Geiste an den Haaren hingezogen.
Endlich ermannte er sich und faßte den Entschluß, vor allen Dingen die
Handlung sich unmöglich zu machen und seinen Vater von dem Zustande
des Schlosses zu unterrichten. Er fing es klug an und trug den Kasten
mit den nunmehr geordneten Briefen in Gegenwart seines Vaters durch
das Zimmer, beging mit Vorsatz die Ungeschicklichkeit, mit dem Kasten
wider den Schreibtisch zu stoßen, und wie erstaunte der Vater, als er
den Deckel auffahren sah! Sie untersuchten beide das Schloß und
fanden, daß die Schließhaken durch die Zeit abgenutzt und die Bänder
wandelbar waren. Sogleich ward alles repariert, und Ferdinand hatte
seit langer Zeit keinen vergnügtern Augenblick, als da er das Geld in
so guter Verwahrung sah.
Aber dies war ihm nicht genug. Er nahm sich sogleich vor, die Summe,
die er seinem Vater entwendet hatte und die er noch wohl wußte, wieder
zu sammeln und sie ihm auf eine oder die andere Weise zuzustellen. Er
fing nun an, aufs genaueste zu leben und von seinem Taschengelde, was
nur möglich war, zu sparen. Freilich war das nur wenig, was er hier
zurückhalten konnte, gegen das, was er sonst verschwendet hatte;
indessen schien die Summe schon groß, da sie ein Anfang war, sein
Unrecht wiedergutzumachen. Und gewiß ist ein ungeheurer Unterschied
zwischen dem letzten Taler, den man borgt, und zwischen dem ersten,
den man abbezahlt.
Nicht lange war er auf diesem guten Wege, als der Vater sich entschloß,
ihn in Handelsgeschäften zu verschicken. Er sollte sich mit einer
entfernten Fabrikanstalt bekannt machen. Man hatte die Absicht, in
einer Gegend, wo die ersten Bedürfnisse und die Handarbeit sehr
wohlfeil waren, selbst ein Comptoir zu errichten, einen Kompagnon
dorthin zu setzen, den Vorteil, den man gegenwärtig andern gönnen
mußte, selbst zu gewinnen und durch Geld und Kredit die Anstalt ins
Große zu treiben. Ferdinand sollte die Sache in der Nähe untersuchen
und davon einen umständlichen Bericht abstatten. Der Vater hatte ihm
ein Reisegeld ausgesetzt und ihm vorgeschrieben, damit auszukommen; es
war reichlich, und er hatte sich nicht darüber zu beklagen.
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