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Nur zu sehr fühlte Ferdinand, daß er von einer solchen Verbindung kein
Glück zu erwarten habe, und doch war es schwer, so vielen Reizen zu
entsagen. Ja vielleicht wäre er ganz unschlüssig von ihr weggegangen,
hätte ihn nicht der Vetter abgelöst und in seinem Betragen allzuviel
Vertraulichkeit gegen Ottilien gezeigt. Ferdinand schrieb ihr darauf
einen Brief, worin er ihr nochmals versicherte, daß sie ihn glücklich
machen würde, wenn sie ihm zu seiner neuen Bestimmung folgen wollte,
daß er aber für beide nicht rätlich hielte, eine entfernte Hoffnung
auf künftige Zeiten zu nähren und sich auf eine ungewisse Zukunft
durch ein Versprechen zu binden.
Noch auf diesen Brief wünschte er eine günstige Antwort; allein sie
kam nicht wie sein Herz, sondern wie sie seine Vernunft billigen mußte.
Ottilie gab ihm auf eine sehr zierliche Art sein Wort zurück, ohne
sein Herz ganz loszulassen, und eben so sprach das Billet auch von
ihren Empfindungen; dem Sinne nach war sie gebunden und ihren Worten
nach frei.
Was soll ich nun weiter umständlich sein? Ferdinand eilte in jene
friedlichen Gegenden zurück, seine Einrichtung war bald gemacht; er
war ordentlich und fleißig und ward es nur um so mehr, als das gute,
natürliche Mädchen, die wir schon kennen, ihn als Gattin beglückte und
der alte Oheim alles tat, seine häusliche Lage zu sichern und bequem
zu machen.
Ich habe ihn in spätern Jahren kennenlernen, umgeben von einer
zahlreichen, wohlgebildeten Familie. Er hat mir seine Geschichte
selbst erzählt, und wie es Menschen zu gehen pflegt, denen irgend
etwas Bedeutendes in früherer Zeit begegnet, so hatte sich auch jene
Geschichte so tief bei ihm eingedrückt, daß sie einen großen Einfluß
auf sein Leben hatte. Selbst als Mann und Hausvater pflegte er sich
manchmal etwas, das ihm Freude würde gemacht haben, zu versagen, um
nur nicht aus der übung einer so schönen Tugend zu kommen, und seine
ganze Erziehung bestand gewissermaßen darin, daß seine Kinder sich
gleichsam aus dem Stegreife etwas mußten versagen können.
Auf eine Weise, die ich im Anfang nicht billigen konnte, untersagte er
zum Beispiel einem Knaben bei Tische, von einer beliebten Speise zu
essen. Zu meiner Verwunderung blieb der Knabe heiter, und es war, als
wenn weiter nichts geschehen wäre.
Und so ließen die ältesten aus eigener Bewegung manchmal ein edles
Obst oder sonst einen Leckerbissen vor sich vorbeigehen; dagegen
erlaubte er ihnen, ich möchte wohl sagen, alles, und es fehlte nicht
an Arten und Unarten in seinem Hause. Er schien über alles
gleichgültig zu sein und ließ ihnen eine fast unbändige Freiheit, nur
fiel es ihm die Woche einmal ein, daß alles auf die Minute geschehen
mußte. Alsdann wurden des Morgens gleich die Uhren reguliert, ein
jeder erhielt seine Ordre für den Tag, Geschäfte und Vergnügungen
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