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erfüllen. Sie kam in Gesellschaft ihrer Eltern; er eilte zu ihr, er
fand sie schöner und heiterer als jemals. Mit Ungeduld erwartete er
den Augenblick, in welchem er sie allein sprechen und ihr seine
Aussichten vorlegen könnte. Die Stunde kam, und mit aller Freude und
Zärtlichkeit der Liebe erzählte er ihr seine Hoffnungen, die Nähe
seines Glücks und den Wunsch, es mit ihr zu teilen. Allein wie
verwundert war er, ja wie bestürzt, als sie die ganze Sache sehr
leichtsinnig, ja, man dürfte beinahe sagen, höhnisch aufnahm. Sie
scherzte nicht ganz fein über die Einsiedelei, die er sich ausgesucht
habe, über die Figur, die sie beide spielen würden, wenn sie sich als
Schäfer und Schäferin unter ein Strohdach flüchteten, und was
dergleichen mehr war.
Betroffen und erbittert kehrte er in sich zurück; ihr Betragen hatte
ihn verdrossen, und er ward einen Augenblick kalt. Sie war ungerecht
gegen ihn gewesen, und nun bemerkte er Fehler an ihr, die ihm sonst
verborgen geblieben waren. Auch brauchte es kein sehr helles Auge, um
zu sehen, daß ein sogenannter Vetter, der mitangekommen war, ihre
Aufmerksamkeit auf sich zog und einen großen Teil ihrer Neigung
gewonnen hatte.
Bei dem unleidlichen Schmerz, den Ferdinand empfand, nahm er sich doch
bald zusammen, und die überwindung, die ihm schon einmal gelungen war,
schien ihm zum zweitenmale möglich. Er sah Ottilien oft und gewann
über sich, sie zu beobachten; er tat freundlich, ja zärtlich gegen sie
und sie nicht weniger gegen ihn; allein ihre Reize hatten ihre größte
Macht verloren, und er fühlte bald, daß selten bei ihr etwas aus dem
Herzen kam, daß sie vielmehr nach Belieben zärtlich und kalt, reizend
und abstoßend, angenehm und launisch sein konnte. Sein Gemüt machte
sich nach und nach von ihr los, und er entschloß sich, auch noch die
letzten Fäden entzweizureißen.
Diese Operation war schmerzhafter, als er sich vorgestellt hatte. Er
fand sie eines Tages allein und nahm sich ein Herz, sie an ihr
gegebenes Wort zu erinnern und jene Augenblicke ihr ins Gedächtnis
zurückzurufen, in denen sie beide, durch das zarteste Gefühl gedrungen,
eine Abrede auf ihr künftiges Leben genommen hatten. Sie war
freundlich, ja man kann fast sagen, zärtlich; er ward weicher und
wünschte in diesem Augenblicke, daß alles anders sein möchte, als er
es sich vorgestellt hatte. Doch nahm er sich zusammen und trug ihr
die Geschichte seines bevorstehenden Etablissements mit Ruhe und Liebe
vor. Sie schien sich darüber zu freuen und gewissermaßen nur zu
bedauern, daß dadurch ihre Verbindung weiter hinausgeschoben werde.
Sie gab zu erkennen, daß sie nicht die mindeste Lust habe, die Stadt
zu verlassen; sie ließ ihre Hoffnung sehen, daß er sich durch einige
Jahre Arbeit in jenen Gegenden in den Stand setzen könnte, auch unter
seinen jetzigen Mitbürgern eine große Figur zu spielen. Sie ließ ihn
nicht undeutlich merken, daß sie von ihm erwarte, daß er künftig noch
weiter als sein Vater gehen und sich in allem noch ansehnlicher und
rechtlicher zeigen werde.
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