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Ferdinands Schuld und Wandlung
Man kann in Familien oft die Bemerkung machen, daß Kinder sowohl der
Gestalt als dem Geiste nach bald vom Vater, bald von der Mutter
Eigenschaften an sich tragen, und so kommt auch manchmal der Fall vor,
daß ein Kind die Naturen beider Eltern auf eine besondere und
verwundernswürdige Weise verbindet.
Hievon war ein junger Mensch, den ich Ferdinand nennen will, ein
auffallender Beweis. Seine Bildung erinnerte an beide Eltern, und
ihre Gemütsart konnte man in der seinigen genau unterscheiden. Er
hatte den leichten und frohen Sinn des Vaters, so auch den Trieb, den
Augenblick zu genießen, und eine gewisse leidenschaftliche Art, bei
manchen Gelegenheiten nur sich selbst in Anschlag zu bringen. Von der
Mutter aber hatte er, so schien es, ruhige Überlegung, ein Gefühl von
Recht und Billigkeit und eine Anlage zur Kraft, sich für andere
aufzuopfern. Man sieht hieraus leicht, daß diejenigen, die mit ihm
umgingen, oft, um seine Handlungen zu erklären, zu der Hypothese ihre
Zuflucht nehmen mußten, daß der junge Mann wohl zwei Seelen haben
möchte. Ich übergehe mancherlei Szenen, die in seiner Jugend vorfielen, und
erzähle nur eine Begebenheit, die seinen ganzen Charakter ins Licht
setzt und in seinem Leben eine entschiedene Epoche machte.
Er hatte von Jugend auf eine reichliche Lebensart genossen, denn seine
Eltern waren wohlhabend, lebten und erzogen ihre Kinder, wie es
solchen Leuten geziemt, und wenn der Vater in Gesellschaften, beim
Spiel und durch zierliche Kleidung mehr, als billig war, ausgab, so
wußte die Mutter als eine gute Haushälterin dem gewöhnlichen Aufwande
solche Grenzen zu setzen, daß im Ganzen ein Gleichgewicht blieb und
niemals ein Mangel zum Vorschein kommen konnte. Dabei war der Vater
als Handelsmann glücklich; es gerieten ihm manche Spekulationen, die
er sehr kühn unternommen hatte, und weil er gern mit Menschen lebte,
hatte er sich in Geschäften auch vieler Verbindungen und mancher
Beihülfe zu erfreuen.
Die Kinder, als strebende Naturen, wählen sich gewöhnlich im Hause das
Beispiel dessen, der am meisten zu leben und zu genießen scheint. Sie
sehen in einem Vater, der sich wohl sein läßt, die entschiedene Regel,
wonach sie ihre Lebensart einzurichten haben, und weil sie schon
früh zu dieser Einsicht gelangen, so schreiten meistenteils ihre
Begierden und Wünsche in großer Disproportion der Kräfte ihres Hauses
fort. Sie finden sich bald überall gehindert, um so mehr, als jede
neue Generation neue und frühere Anforderungen macht und die Eltern
den Kindern dagegen meistenteils nur gewähren möchten, was sie selbst
in früherer Zeit genossen, da noch jedermann mäßiger und einfacher zu
Leben sich bequemte.
Ferdinand wuchs mit der unangenehmen Empfindung heran, daß ihm oft
Dasjenige fehle, was er an seinen Gespielen sah. Er wollte in
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